Kastration

Kaninchen können schon mit 9 – 12 Wochen geschlechtsreif werden. Daher empfiehlt sich die Kastration männlicher Kaninchen sobald die Hoden durch den Leistenkanal abgestiegen und sichtbar geworden sind. Doch vorsicht! Die Hoden können bei Stress wieder in den Bauchraum „hochgezogen“ werden, daher empfiehlt sich die Kontrolle immer von einem Fachmann durchführen zu lassen. Weibliche Kaninchen können etwas später kastriert werden. 

Die Problematik unkastrierter Kaninchen beider Geschlechter äussert sich wie folgt: 

Kaninchen sind sehr gesellige Tiere und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie dürfen daher niemals allein gehalten werden! Gibt es Probleme mit der Verträglichkeit untereinander liegt das häufig an der zu kleinen Käfiggröße, zu wenig Auslauf und Beschäftigung oder eben an der unpassenden Haltung geschlechtsreifer Tiere. Bevor Sie Ihr Kaninchen in völlig asoziale Einzelhaft setzen, sprechen Sie uns bitte an und gemeinsam können wir Lösungvorschläge besprechen!

Impfung

Liebe Kaninchenbesitzer!

Ein neuer Impfstoff wurde entwickelt. Endlich können wir unsere Langohren gegen den mutierten RHD 2 Virus impfen!

Einzeldosen stehen zur Verfügung, es wird aber auch regelmäßig Sammelimpftermine geben.

Gerne beraten wir Sie.

Rabbit haemorrhagic disease (RHD), auch „Chinaseuche“

Das RHD-Virus kann in der Umwelt extrem lange überleben und gelangt über Direktkontakt, Insektenstiche und Gegenstände (auch Heu und Einstreu) in den Körper. Dort kommt es zu inneren Blutungen und Krämpfen. Der Tod tritt meist innerhalb von 12- 48 Stunden auf.

Myxomatose

Das Myxomatosevirus wird durch stechende, blutsaugende Insekten (die leider auch in die Wohnung gelangen) übertragen. Im akuten Verlauf schwellen den Kaninchen die Augen und Genititalien mit krüstchenbildenden Entzündungen zu. Nach wenigen Tagen versterben die Tiere.

Rhinitis contagiosa cuniculi, (PAST), auch Kaninchenschnupfen oder Pasteurellose genannt

Bei dieser unheilbaren Erkrankung sind die Pasteurellen und Bordetellen beteiligt und werden durch die Tröpfcheninfektion übertragen. Die Symptome sind: Nasen- und Augenausfluss, der schnell eitrig wird, sowie ein schlechtes Allgemeinbefinden. Da hier viele verschiedene Keime beteiligt sind und die PAST-Impfung nicht alle abdecken kann, empfiehlt sich diese nur in großen (Züchter-)Beständen. Die Behandlung ist langwierig, aber durchaus möglich.

Gerüchte und Unwahrheiten

Seit Jahrzehnten lebt das Gerücht, dass Spinat besonders eisenhaltig sei. Das ist falsch. Es führt sich auf eine falsche Pressemitteilung zurück, in der das Trockengewicht mit dem Frischgewicht verwechselt wurde. So haben wir es auf jeden Fall vernommen. Aber wir sind uns sicher - es wird noch in 100 Jahren in manchen Küchen heißen: "Spinat hat viel Eisen und ist besonders gut für Kinder." Genauso gibt es zum Thema Kaninchen einige Gerüchte. Lassen Sie sich aufklären - gehören Sie zu den Informierten. Und schmunzeln sie ruhig ein wenig.

Kaninchen sind ideale Haustiere für Kinder.

Stimmt nicht. Kinder sind oft überfordert, wenn sie sich ganz alleine um Kaninchen kümmern müssen. Die Tiere brauchen täglich Nahrung und Wasser und der Stall muss regelmäßig sauber gemacht werden. Im Krankheitsfall müssen diese gerade bei Kaninchen schnell entdeckt werden und schnellstmöglich zu einem Tierarzt gebracht werden. So kann es auch zu einer Notwendigkeit kommen, dass Medikamente zu Hause verabreicht werden müssen. Kinder alleine sind damit oft überfordert und brauchen die Hilfe ihrer Eltern.

Kaninchen dürfen kein Frischfutter bekommen.

Stimmt nicht. Gerade frisches Futter ist sehr gut und wichtig für Kaninchen. Viele Tiere trinken nicht aus einer Wasserflasche oder aus einem Napf. Eigentlich bekommen sie ausreichend Flüssigkeit über den ausschließlichen Verzehr von wasserhaltigem Frischfutter. Nur die Futterindustrie möchte uns gerne etwas anderes darlegen. Zudem sind in frischem Futter alle wichtigen Nährstoffe enthalten. Sie sollten aber auf die Qualität des Frischfutters achten, da altes und welkes Futter zu Krankheiten führen kann.

Hartes Brot ist gut für Kaninchen.

Stimmt auch nicht. In der Mundhöhle vermischt sich das Brot mit dem Speichel. Es wird weich und die Tiere können das Brot schlucken ohne Kauen zu müssen, sind dann bereits satt und fressen das für den Zahnabrieb so wichtige Heu nicht mehr.

Kaninchen und Meerschweinchen kommen prima miteinander klar.

Auch ein Trugschluss. Zwar kommt es selten zu Rangeleien und Kämpfen zwischen Kaninchen und Meerschweinchen, aber beide sind vollkommen verschiedene Tierarten, die nicht wirklich viel miteinander anfangen können. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen.

Kaninchen kann man problemlos alleine halten.

Absolut falsch. Kaninchen haben ein stark ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie leben in natura in großen Familienverbänden zusammen, pflegen und putzen sich gegenseitig. Das kann ein Mensch auch mit einem erhöhten Zeitaufwand nicht ersetzen. Ein Kaninchen, aus welchen Gründen auch immer, in Einzelhaft zu setzen ist nicht artgerecht. Wer sich ein Einzeltier anschaffen möchte, sollte sich dann lieber auf einen Hamster umstellen.

Albinokaninchen sind anfälliger für Krankheiten.

Stimmt teilweise. Aufgrund der fehlenden Pigmente ist die Haut von Albinos empfindlicher, wenn zum Beispiel die Sonne scheint. Generell krankheitsanfälliger sind die Albinos allerdings nicht

Wenn man ein zahmes Kaninchen möchte, sollte man es alleine halten.

Stimmt nicht. Gerade Kaninchen sind sehr gesellige Tiere und brauchen unbedingt Artgenossen! Reine Einzelhaltung ist nicht artgerecht. Die Tiere werden zahm, wenn man sich viel Zeit nimmt und sich mit ihnen beschäftigt.

Kaninchen sind anspruchslos und kosten nicht viel Geld.

Stimmt ebenfalls nicht. Sicherlich sind Kaninchen in der Anschaffung relativ günstig aber damit ist es ja noch lange nicht getan. Die Tiere brauchen einen großen Käfig - noch besser einen großen Auslauf im Freien. Ebenso sollten sie am Besten täglich Frischfutter bekommen. Hinzu kommen die Kosten für die Einstreu. Auch Kaninchen können krank werden und müssen zum Tierarzt. Hier sind sie nicht unbedingt billiger als Hunde und Katzen.

Katzenstreu eignet sich gut als Käfigstreu.

Stimmt nicht. Katzenstreu ist gänzlich ungeeignet als Käfigeinstreu. Die Tiere knabbern sehr viel und nehmen oft auch ihr Einstreu auf. Hierbei kann es zu Verklumpungen im Magen kommen, was wirklich gefährlich für die Kleinen werden kann

Kaninchen müssen Trockenfutter bekommen.

Stimmt nicht, im Gegenteil, zu viel Trockenfutter kann zu Übergewicht und Zahnfehlstellungen führen. Gerade die Zahnfehlstellungen führen zu häufigen Tierarztbesuchen um die Zähne zu korrigieren. Eine einmalige Zahnfehlstellung bedeutet fast immer eine bleibende Zahnfehlstellung. Um dies zu vermeiden, sollten Sie immer ausreichend Heu zur Verfügung stellen, denn nur dadurch wird der Abrieb der Zähne gewährleistet. Man stelle sich bitte nur einmal ein Wildkaninchen vor, das in die Zoohandlung spaziert um Trockenfutter einzukaufen..

Man sollte nur männliche Tiere kastrieren.

Stimmt teilweise. Wenn es darum geht, die Nachkommenschaft zu regulieren, reicht es aus, ausschließlich die männlichen Tiere zu kastrieren. Geht es aber darum, eine aktive Gesundheitsvorsorge zu betreiben, sollten Sie unbedingt die weiblichen Tiere kastrieren. Und zwar aus folgendem Grund: Ab einem Alter von etwa vier Jahren entwickeln 70 Prozent der weiblichen, unkastrierten Kaninchen bösartige Gebärmuttertumore. Davor sollten Sie Ihr weibliches Kaninchen schützen.

Speiseplan

Kaninchen haben eine empfindliches Verdauungssystem, dass durch falsche Ernährung massiv gestört werden kann. Dazu gehört zum Beispiel der Stopfmagen, der nur richtig arbeiten kann wenn dem Kaninchen permanent Futter (Heu) zur Verfügung steht. Der Magen der Kaninchen kann die aufgenommene Nahrung nicht selbstständig weitertransportieren. Der Mageninhalt wird nur durch das Nach- "Stopfen" der nächsten Nahrung weitergeschoben. Sollte Ihr Kaninchen einmal seine Nahrung verweigern oder deutlich weniger zu sich nehmen ist dies schon ein Hinweis auf eine Erkrankung! Nach schon ein bis zwei Tagen kann Ihr Kaninchen Folgeschäden davontragen.

Was von vielen Kaninchenbesitzern auch unterschätzt wird, ist der Kaninchen-Durchfall. Normaler Kot ist in trockener Kugelform. Sollten diese einmal aneinander kleben und weicher oder sogar breiiger werden, ist dies schon Durchfall. Wird der Durchfall wässriger wie man ihn von anderen Tieren kennt,  ist es meist schon zu spät

Als Basis der gesunden Kaninchen-Ernährung dient immer Heu. Heu sorgt durch den hohen Faseranteil für den richtigen Backenzahnabrieb und das richtige Magen-Darm-Millieu. Auf das vom Fachhandel hoch gelobte Trockenfutter kann man bei gesunden ausgewachsenen Kaninchen getrost verzichten. Oft ist im Trockenfutter Getreide enthalten und das sorgt für massives Aufblähen des Darms. Auch der Rat "Ruhig den Napf vollmachen" ist für Kaninchen sehr ungesund. Wenn Sie Ihr Kaninchen mit Trockenfutter zufüttern wollen, dann 1- 2 Teelöffel am Tag

Folgendes können Sie zur Heufütterung ergänzen:

Kräuter oder Wildpflanzen: Basilikum, Borretsch, Breitwegerich, Brennessel (nur angewelkt), Brunnenkresse, Dill, Distel, Erdbeerblätter, Gänseblümchen, Gras, Himbeerblätter, Huflattich, Kamille, Kerbel, Lavendel, Löwenzahn, Melisse, Oregano, Persilie, Pfefferminze, Salbei, Scharfgarbe, Sonnenblume (ganze Pflanze), Spitzwegerich, Vogelmiere, Wicke, Wildrose

Obst (immer nur in kleinen Mengen, d. h. maximal 50g pro Tag): Ananas, Apfel, Aprikose (ohne Kern), Banane (eine Scheibe, sonst Verstopfungsgefahr), Birne, Brombeere, Erdbeere, Heidelbeere, Himbeere,Kiwi, Wassemelone, Traube

ungespritze Zweige, gerne mit Blättern (dienen auch zur Beschäftigung): Ahorn, Apfelbaum, Birke, Birnbaum, Buche, Eiche (ohne Eicheln!), Erle, Esche, Fichte, Haselnuss, Kastanie (ohne Kastanien!), Kiefer, Linde, Schlehe

Gemüse: Brokkoli, Erbsengrün, Fenchel, Gurken, Karotten, Karottengrün, Knollensellerie, Kohlrabiblätter, Mairübe, Maisblätter, Pastinake, Petersilienwurzel, Radieschenblätter, Schwarzwurzel, Sojabohnengrün, Spargel, Speisekürbis, Staudensellerie, Stielmus, Topinambur, Zucchini

weniger geeingnet ist: Blumenkohl, alle Formen von Salaten (zerstören auf Dauer das Darmmilieu), alle Kohlarten (massive Aufblähungen von Magen und Darm), Mangold, Paprika, Romanesco, Rosenkohl, rote Beete, Spinat, Wirsing, Mais 

sogar tödlich: Aubergine, Avocado, Erbsen, grüne Tomaten, Kartoffel, Kartoffelgrün, Radieschen, Bohnen, Tomatengrün, Zierkürbis

Ganz wichtig wenn Sie Ihrem Kaninchen etwas Neues zufüttern möchten: Fangen Sie mit ganz kleinen Mengen an. Das heisst erstmal ein Blatt oder Scheibchen geben und einen Tag abwarten ob Ihr Kaninchen den neuen Leckerbissen gut verträgt. Abrupte Futterumstellungen kann Ihr Kaninchen sehr schlecht vertragen. Es kann Blähungen und Durchfall bekommen.